Am 17. Januar startete mein Tag sehr früh. Ich fuhr gegen 4 Uhr morgens von Salzgitter los, um pünktlich in Bayreuth zu sein. Die Straßen waren still, nur die Scheinwerfer meines Autos durchbrachen die Dunkelheit der Nacht. Ein leiser Stich von Aufregung mischte sich mit Vorfreude – und einem kleinen Hauch Sorge, ob alles glatt laufen würde. Mein innerer Kompass flüsterte: „Bleib aufmerksam, genieße alles, was kommt.“
Die Sonne stieg auf, Nebel durchzog Wälder und Wiesen, während ich an diesen vorbeirauschte.
Nach etwa 3,5 Stunden Fahrt parkte ich etwas außerhalb, rund 1,5 km von der Location entfernt. Der Weg führte mich durch den Schlosspark, überzogen von einer dünnen Eisschicht. Die Bäume, Sträucher, Wiesen und Wege glitzerten im Morgenlicht. Ich hielt immer wieder inne, machte Fotos, probierte Perspektiven aus und spürte ein Kribbeln in den Fingerspitzen. Ein kurzer Moment der Angst mischte sich mit Staunen: „Vorsichtig jetzt, es ist extrem glatt… und doch will ich jeden Schritt erleben.“
Am Bayreuther Schloss vorbei schlängelte ich mich durch kleine, verwinkelte Passagen und erreichte die Location. Die Anmeldung war etwas wild: Der Counter funktionierte nicht richtig, einige Gäste wirkten unzufrieden. Ich atmete tief durch und spürte eine Mischung aus Gelassenheit und Abenteuerlust. Es war die Art von Mini-Emotion, die sich einschleicht, wenn man weiß: Alles, was zählt, ist die eigene Wahrnehmung. Der Saal war türkisblau gestaltet, hell erleuchtet, und überall waren die Stände von Nikon, Leica, Canon und anderen Marken aufgebaut. Ich konnte die Vorfreude kaum noch bändigen: Endlich wieder umgeben von Menschen, die kreative Energie atmen.
Der Nikon-Workshop begann um 10:15 Uhr. Es ging um Ausleuchtung, Interviewführung und Bildgestaltung – alles so praxisnah, dass ich mir dachte: „Das kann ich anwenden, sogar sofort.“ Ich lernte Andrea kennen, eine Fotografin, die ebenfalls alles aufsog, was um sie geschah, um es später für sich zu nutzen. Wir tauschten kleine Tipps aus, lachten über unsere Mini-Missgeschicke, tranken Kaffee. Kleine Gesten, winzige Momente der Verbindung, die den Tag besonders machten. Ich dachte dabei: Es ist erstaunlich, wie sehr Inspiration entsteht, wenn man sich auf andere einlässt.
Parallel liefen Reden und Präsentationen. Bei manchen Rednern spürte ich die Begeisterung für das eigene Schaffen, manchmal fast überwältigend. Es kostet Mut, sich selbst und die eigenen Ideen auf diese Weise zu zeigen.
Pavel Kaplun erzählte von seiner Arbeit als Fotograf und von seinen Erfahrungen in Kanada. Ich konnte gut nachvollziehen, warum ihn das Land nicht fesselte: Als Städter suchte er das Spiel von Licht, Kontrasten, Linien, Begegnungen in urbanen Räumen – und die kanadischen Großstädte boten ihm davon zu wenig. Für ihn zählten die kleinen Details in den Städten, die Dynamik zwischen Menschen und Architektur, die starken Kontraste und die Geschichten die sie erzählen könnten.
Ich hingegen liebe genau das, was ihm fehlte: die leisen Töne Kanadas, die einen still einholen und überwältigen können. Ich könnte stundenlang Tieren zuschauen, die Ruhe der Wälder und Seen genießen. Die Großstädte des Landes interessieren mich kaum – sie sind interessant, ja, aber sie machen mich nicht glücklich. Kanada für mich ist Natur, Ruhe, diese fast greifbare Weite, die mich tief berührt.
Das Mittagessen war draußen am Foodtruck geplant. Es war bitterkalt, der Wind blies durch die Kleidung. Ich fror. Drinnen war es wärmer, doch meine Hände blieben kalt. Mini-Frustrationen, ja – aber auch Dankbarkeit, dass ich überhaupt hier sein durfte, Teil dieser kreativen Gemeinschaft.
Daniel Zlotin erzählte von seinem Weg in der Musikvideo-Branche. Inspirierend, aber auch mit einem gewissen Ego, was man wahrscheinlich in diesem Haifischbecken braucht, um zu überleben. Im Vergleich dazu zeigte die Media Division, wie man mit minimalem Equipment und maximaler Leidenschaft eindrucksvolle Videos erstellen kann. Nicht Selbstdarstellung, sondern Wirkung. Ich dachte: „So will ich auch wirken – nicht laut, nicht zwingend sichtbar, aber echt und nahbar.“
Das Dinner war ruhig, Andrea und ich fanden ein stilles Plätzchen, sprachen über Technik, Fotografie und die kleinen, alltäglichen Überraschungen des Tages. Danach das Gear Give Away: viele Preise, manches unglücklich verteilt, aber egal. Ich dachte: „Es geht nicht um das Gewinnen, sondern um das Erleben, das Lernen, die Begegnungen.“ Denn die sind auf jeden Fall der größere Gewinn.
Der Heimweg führte mich durch den dunklen, stillen Schlosspark. Alles war gefroren, die Nacht sternenklar. Ich war dankbar. Mir wurde klar, wie sehr ich diese Art von Erfahrungen schätze: beobachten, reflektieren, aufnehmen, inspirieren lassen.
Auf der Heimfahrt, 350 km durch die klare Nacht, dachte ich: Nächstes Jahr komme ich wieder. Ich will diese Momente einfangen, meine Kreativität nähren, meine eigene Perspektive erweitern. Jedes Gefühl zählt. Jede Begegnung inspiriert. Und ich wusste, dass dieser Tag nicht nur ein Event war, sondern ein kleiner Impuls für alles, was noch folgen wird.
Sonnenaufgang und Nebelschwaden
Bayreuther Schlosspark
Bayreuther Schlosspark in Eis
Zuwendungen
Bayreuther Schloss
Der Saal füllt sich.
Die Zeit tickt.